Sexualität von trans* Personen im Strafvollzug: Wie Mitarbeitende Risiken, Beziehungen und Geschlecht deuten

In der Zeitschrift für Sexualforschung ist der Beitrag der Autor*innen Helena Schüttler, Christiane Borger, Robert Küster und Merten Neumann mit dem Titel „Zwischen Sicherheit, Moral und Geschlecht: Institutionelle Regulierung von Sexualität im Umgang mit trans* Personen im Strafvollzug“ erschienen. In dem Beitrag geht es darum, wie Mitarbeitende im Strafvollzug die Sexualität von trans* Personen wahrnehmen und welche Konsequenzen dies für Unterbringung, Beziehungen und Kontrolle hat.

Sexualität im Strafvollzug ist stark reguliert und wird durch Sicherheitsvorgaben, geschlechtergetrennte Unterbringung sowie den Schutz von Intim- und Persönlichkeitsrechten strukturiert. Während es bereits einige Studien zu Erfahrungen trans* Inhaftierter gibt, ist die Sicht der Mitarbeitenden bislang kaum erforscht – genau hier setzt der Artikel an. Die Autorinnen stützen sich auf 16 qualitative Interviews mit Beschäftigten im Justizvollzug, die im Rahmen eines Projekts mit trans Inhaftierten, Anstaltsleitungen und Mitarbeitenden geführt wurden.

Zentrale Ergebnisse

Die Interviews zeigen, dass Sexualität von trans* Personen im Vollzug häufig als potenzielles Risiko betrachtet wird und eng mit Vorstellungen von „biologischem Geschlecht“ und körperlicher Eindeutigkeit verknüpft ist. Diese Deutungsmuster beeinflussen Unterbringungsentscheidungen, den Umgang mit intimen Beziehungen sowie Maßnahmen der sozialen Kontrolle bis hin zu Isolation.

Fazit und Bedeutung für Praxis

Der Beitrag macht deutlich, dass Sexualität im Strafvollzug nur begrenzt als legitimer Gestaltungsbereich anerkannt ist und vor allem unter Sicherheits- und Moraldiskursen verhandelt wird. Dabei verdichten sich Machtverhältnisse, Geschlechternormen und Sicherheitslogiken, was für eine menschenrechtsorientierte Praxis im Umgang mit trans* Personen im Vollzug erhebliche Herausforderungen bedeutet.

Den Artikel finden Sie hier frei zugänglich.