Neu: Handlungsempfehlungen zu Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS) in Haft
Neue Psychoaktive Substanzen (NPS) stellen den Justizvollzug vor besondere Herausforderungen: Sie sind oft hochpotent, in ihrer Zusammensetzung schwer einschätzbar und mit herkömmlichen Kontrollen häufig nur eingeschränkt nachweisbar. Gesundheitliche Notfälle, psychische Krisen und Sicherheitsrisiken machen einen sachlichen, fachlich fundierten Umgang umso wichtiger.
Akzept e. V. und die Deutsche Aidshilfe haben jetzt Handlungsempfehlungen entwickelt. Im Mittelpunkt stehen Früherkennung, notfallmedizinische Handlungssicherheit, niedrigschwellige psychosoziale Beratung, Safer Use, Rückfallprävention sowie die Qualifizierung des Personals. Besonders betont wird: Konsuminduzierte Notfälle dürfen keine Hürde sein, Hilfe zu holen – Gesundheitsschutz und Schadensminimierung müssen Vorrang haben.
Praxisnahe Unterstützung
Die Veröffentlichung bietet konkrete Anregungen für den Haftalltag, darunter:
– Warnzeichen und mögliche Symptome einer NPS-Intoxikation
– Empfehlungen für ruhiges, deeskalierendes Handeln in akuten Situationen
– Vorschläge für Präventions-, Beratungs- und Gruppenangebote
– eine „Drug, Set und Setting“-Matrix für Gespräche mit Inhaftierten
– eine Checkliste zur Implementierung und Evaluation von Maßnahmen
– Hinweise zur Schulung von Mitarbeitenden und zur Verbindung von Sicherheit, Versorgung und Resozialisierung.
Die Handlungsempfehlungen stehen frei zugänglich zur Verfügung. Sie richten sich an Fachkräfte im Justizvollzug, Medizin, Beratung und Suchthilfe ebenso wie an Verantwortliche in Politik und Verwaltung. Wer den Umgang mit NPS in Haft informierter, gesundheitsorientierter und praxistauglicher gestalten möchte, findet darin eine wertvolle Arbeitsgrundlage.
Hinweis: Bei unserer Bundestagung wird es einen eigenen Workshop zum Thema Suchtbehandlung im Vollzug geben. Der Co-Autor der Empfehlungen, Prof. Dr. Wodarz, wird dort einen Beitrag leisten. Mehr zur Bundestagung finden Sie hier.

