Rückblick: Mutterschaft in Haft

Am 17. Juni 2026 organisierte der Fachausschuss der Frauen der BAG-S eine digitale Veranstaltung „Mutterschaft in Haft“. Mit rund 50 Teilnehmenden aus Justizvollzug, freier Straffälligenhilfe und Wissenschaft. Ziel war der fachliche Austausch sowie die stärkere Vernetzung im Themenfeld. Im Zentrum stand die Frage, wie Mutterschaft unter den Bedingungen von Inhaftierung erlebt und gestaltet wird.

Die Mehrheit (circa 80 Prozent) der inhaftierten Frauen sind Mütter. Mit einer Inhaftierung sind fast immer Trennungen von Kindern verbunden, die die Bindungsbeziehung stark belasten: Nähe, Alltagserleben und spontane Kontaktmöglichkeiten brechen weg, während Unsicherheit und Schuldgefühle zunehmen. Gleichzeitig stehen Mütter in Haft unter dem Druck, ihre Rolle als Bezugsperson aufrechtzuerhalten – unter Bedingungen, in denen Besuche, Telefonate und körperliche Zuwendung nur eingeschränkt möglich sind und Kinder oft wechselnde Betreuungssituationen erleben.

Zu Beginn stellte Prof. Dr. Margot Vogel Campanello (Fachhochschule Bern) zentrale Forschungsergebnisse zum Erleben von Mutterschaft in prekären Lebenslagen vor. Sie arbeitete dabei insbesondere das gesellschaftliche Ideal der intensiven Elternschaft heraus und zeigte auf, wie groß der Bruch zwischen diesen normativen Erwartungen und den Lebensrealitäten straffällig gewordener Frauen ist. Deutlich wurde, dass sich viele Frauen in einem Spannungsfeld zwischen Akzeptanz und Anpassung bewegen, während die Hoffnung auf eine positive Zukunftsperspektive häufig stark eingeschränkt ist. Zudem wurden strukturelle Belastungen, soziale Ausschlüsse sowie die Bedeutung von Unterstützungsangeboten für betroffene Mütter und ihre Kinder hervorgehoben.

Im Anschluss daran konnte diese allgemeine Perspektive auf prekäre Lebenslagen nochmal verdeutlicht werden mit dem Fokus auf straffällig gewordene Frauen.

Paula Herrera (Treffpunkt Nürnberg e.V.) verdeutlichte das doppelte Dilemma von Inhaftierung und Elternschaft. Sie stellte in ihrem Vortrag die spezifische Arbeit des Gruppenangebotes für Mütter in der JVA Nürnberg, welches seit 2015 bereits besteht vor.

80 Prozent der inhaftierten Frauen sind Mütter, jedoch nur ein kleiner Teil hat die Möglichkeit gemeinsam mit ihren Kindern untergebracht zu werden. Welche Bedeutung diesem Umstand zukommt, wurde im Beitrag von Nina Gabler, Ceylan Acar und Kim-Sophie Hajek (JVA Vechta) deutlich, die den Mutter-Kind-Vollzug als wichtigen Ansatz vorstellten, um Mutter-Kind-Beziehungen auch während der Haft zu ermöglichen.

Den Abschluss bildete Ulla-Britt Klankwarth (Netzwerk Kinder von Inhaftierten), die das Netzwerk vorstellte und an der Stelle die Notwendigkeit einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit sehr deutlich hervorhob.

Die Veranstaltung hat eindrücklich gezeigt, wie relevant und zugleich herausfordernd das Thema „Mutterschaft in Haft“ ist. Der fachliche Austausch hat verdeutlicht, dass weiterer Dialog und vertiefende Auseinandersetzung dringend erforderlich sind.

Auf der Bundestagung der BAG-S am 23. und 24. November in Erfurt wird ein weiterer inhaltlicher Austausch stattfinden. Dort wird unter anderem ein Workshop zur psychiatrischen Versorgung von Frauen stattfinden, gestaltet von Iris Grönecke-Kümmerer (SKF München) und Sandra Manegold (Klinik für Forensische Psychiatrie, Hadamar).